„Digitalisierung ja, aber Journalisten sind keine Blogger!“

Christian Fischer ist Kommunikationsmanager und Unternehmenssprecher der Telekom für Bildung und Bildungsthemen. Paulina hat  mit ihm darüber gesprochen, warum die Telekom sich, als eigentliches MINT-Unternehmen, für Journalismus und Nachwuchs einsetzt.

Herr Fischer, warum sind Sie, warum sind wir hier, bei talent!2016?

Fischer: Ich bin hier, weil ich zum einen selbst gelernter Journalist bin. Ich bin nicht nur im Unternehmen für Bildung und Ausbildung zuständig, sondern es ist mit wichtig, dass der Journalismus in Deutschland weiterhin guten Nachwuchs bekommt. Das ist im Grunde auch sehr wichtig für meine Arbeit. Ich sehe, dass durch die Digitalisierung auch altehrwürdige Zeitungen und Medien immer stärker nur aus Meinungen bestehen und weniger aus Fakten, was eigentlich andersherum sein sollte.

Inwiefern hat das mit der Digitalisierung zutun?

Fischer: Ich habe den Eindruck, als würden Zeitungen und Journalisten durch den Druck, digitaler werden zu müssen, ihren Stil anpassen. Sie meinen, sie müssten Blogger nachahmen, um mit der Zeit zu gehen. Das führt aber dazu, dass sie viel stärker Meinungsperspektiven einnehmen und dabei das journalistische Handwerk vernachlässigen: nämlich durch Fakten zu informieren.

Meinen Sie, der Journalismus hat Nachwuchsprobleme?

Fischer: Ich sehe, wie schlecht ausgebildet Redakteure heutzutage sind. Das klassische Recherchieren ist Ihnen gar nicht mehr richtig möglich. Die Zeit ist nicht mehr da. Man bekommt einen Auftrag vom Chefredakteur und muss abliefern. Es ist ein derartig schnelles Geschäft geworden, das teilweise Berichterstattung gemacht wird, in der kaum Fakten enthalten sind!

Warum ist es gerade der Telekom wichtig, junge Nachwuchsjournalisten zu fördern? Eigentlich setzt Sie sich ja vornehmlich für Förderung der Ausbildungen in den MINT-Fächern ein!

Fischer: Die schlechte Ausbildung für Journalisten macht es auch einem Unternehmen wie der Telekom nicht leicht. Die Telekom hat durch die Berichterstattung zum Beispiel vor vielen Jahren einen Stempel abbekommen, der bis heute an ihr haftet. Serviceprobleme und derartige Dinge. So etwas kann man selbst, wenn man seine Arbeit verbessert, schwer loswerden. Denn wenn von Journalisten nur ein Mindestmaß an Fakten recherchiert wird, dann wird oft aus Zeitmangel auf alte Geschichten und Klischees zurückgegriffen, um zu einer Gesamtgeschichte zu kommen. So kommt es dazu, dass sich in den Medien und in der Öffentlichkeit teilweise jahrelang ein Klischee halten kann – ohne, dass neu recherchiert und bewertet wird. So kommt dieser Meinungsjournalismus zustande, von dem ich sprach. Sich also für vielfältigen Journalismus einzusetzen, kann an dieser Stelle nur gut sein!

Was versprechen Sie sich von einer Veranstaltung wie talent!2016?

Fischer: Es wird dazu führen, dass sich auf lange Sicht die Berichterstattung verbessert. Wenn ich also mit eine solchen Veranstaltung hier dazu beitragen kann, dass sich zum einen auf ein Thema aufmerksam machen kann, was in den meisten Redaktionen sehr zu kurz kommt – Bildung und Forschung – und zum anderen für tollen Nachwuchs sorgen darf, dann freut mich das sehr. Das sind zwei Dinge, die mir am Herzen liegen. Ich bin der Meinung, dass man auch Biotope für solche Themen schaffen muss.

Vielen Dank!


Paulina, 26, ist Studentin für
Literaturwissenschaften und
Geschichte. Sie ist Werkstudentin
bei einer Verlagsagentur.