Eine etwas andere Konsumkritik

Beim Besuch im Bundestag konnten wir talent!2016–Teilnehmer mit Abgeordneten über das Thema Bildung und Digitalisierung sprechen. Am meisten im Gedächtnis geblieben ist uns dabei der Satz: „Wir dürfen nicht mehr nur Konsumenten sein, sondern müssen auch Gestalter werden“.

Für die Diskussion Zeit genommen hatten sich Tabea Rößner (Bündnis90, Die Grünen), Saskia Esken (SPD) und Sven Volmering (CDU). Alle drei sitzen im Bundestagsausschuss Digitale Agenda, der sich mit der digitalen Entwicklung in der Bundesrepublik auseinandersetzt.

In einem offiziellen Sitzungssaal durften wir angehende Journalisten unsere Fragen zum Thema Digitalisierung der Bildung stellen. Dabei wurden zunächst Probleme, wie mangelnde technische Ausstattung und fehlender Informatikunterricht an Schulen, bemängelt. Hier erklärten uns die Abgeordneten, dass das Bildungswesen Ländersache sei und Bundespolitiker auf Lernmaterial und -inhalte wenig Einfluss hätten. Aus dem Bundestag könnten nur Gelder an Forschungsprogramme und Studien fließen, mit denen indirekt der digitale Anpassungsprozess in den Bundesländern vorangetrieben werden soll.

Im weiteren Verlauf kam das Gespräch auf den Wert digitalen Lernmaterials. Lernvideos & Co seien zwar eine Bereicherung des Unterrichts, aber kein Ersatz für kompetentes Lehrpersonal, betonte Sven Volmering. Doch die Lehrer, so unser Vorwurf, sperren sich teilweise gegen die technischen Neuerungen im Bildungswesen. Das hier vor allem Fortbildungsangebote für Lehrkräfte notwendig wären, bestätigte Saskia Esken.

Anschließend wendete die Diskussion sich der fehlenden Aufklärung und Ausbildung der Schüler und jungen Erwachsenen zu. Die meisten Jugendlichen verwenden täglich Smartphone, Tablet, etc., bewegen sich im Internet und sind einer Flut digitaler Informationen ausgesetzt. Doch dass hinter Google-Suchergebnissen komplizierte Quellcodes stehen, dass enorme Rechenleistungen die Amazon-Werbung unsren Interessen anpassen, darüber denkt man nicht nach. Oder wenn man nachdenkt, weiß man trotzdem nicht, wie das alles funktioniert. „Wir dürfen nicht mehr nur Anwender sein, sondern müssen auch Gestalter werden“, erklärte Saskia Esken. Die Unwissenheit über die Programmierung von Suchmaschinen mache uns anfällig für Manipulation und abhängig von denjenigen, die sich mit der Funktionsweise unserer technischen Alltagshelfer auskennen, sagte einer der talent!-Teilnehmer. Wenn ich im Internet nur noch diejenigen Informationen erhalte, die ein Programmierer mir zuteilt, könne er mein Meinungsbild stark beeinflussen.

Der Ansatz sollte also sein: Bildung. Und zwar Bildung nicht nur unterstützt von digitalen Hilfsmitteln, sondern ganz gezielt Bildung zu den digitalen Hilfsmitteln, ihrer Entwicklung und Bedienung. Wir sollen nicht nur unsere Zukunft in der digitalen Welt gestalten, sondern die digitale Zukunft unserer Welt. Eben Gestalter sein, nicht nur Anwender.


Julia, 18, leistet ein Freiwilliges
Ökologisches Jahr (FÖJ) in
München und schreibt für das
Magazin m80.