„Wir sind traditionell ein Land, das von den kreativen und innovativen Köpfen seiner Menschen lebt.“

Andrea Servaty ist die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Telekom-Stiftung. Mit ihr habe ich heute darüber gesprochen, wie eine Stiftung eigentlich funktioniert und warum diese sich so für MINT-Bildung einsetzt.

Frau Servaty, was tut die Telekom Stiftung eigentlich?

Servaty: Die Telekom-Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass das Bildungssystem gezielt in den MINT-Fächern besser wird. Sie arbeitet im Wesentlichen national, es gibt aber auch erste internationale Kooperationen.

Warum ausgerechnet MINT-Fächer?

Servaty: Deutschland ist ein Land mit wenig Rohstoffen. Das heißt, wir sind traditionell ein Land, das von den kreativen und innovativen Köpfen seiner Menschen lebt und schon immer gute Ingenieure und Wissenschaftler hervorgebracht hat. Damit das so bleibt, möchten wir dafür sorgen, dass uns diese Basis nicht wegbricht, also dafür, dass guter Nachwuchs im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich ausgebildet wird. Darum unterstützen wir Kindergärten, Schulen, Hochschulen und weitere Partner mit Projekten, die die MINT-Bildung fördern und verbessern.

Ist es denn tatsächlich so, dass es früher kein großes Interesse für MINT-Fächer gab? Ich hatte in meiner Schulzeit immer eher den Eindruck, dass Fächer wie Mathe einen sehr hohen Stellenwert hatten!

Servaty: Das ist interessant, das kommt ganz darauf an, in welchen Teil Deutschland sie die Schule besucht haben?

Ich bin in Sachsen zu Schule gegangen.

Servaty: Sachsen ist tatsächlich was die MINT-Bildung angeht weit vorne. In den neuen Bundesländern und ehemaligen Ostblockstaaten haben Naturwissenschaften schon immer eine große Rolle gespielt, das sieht man heute auch international: Teilnehmer aus Russland zum Beispiel schneiden bei Mathematik-Wettbewerben meistens sehr gut ab. In den alten Bundesländern hat die MINT-Bildung bei vielen ein anderes Image. Dort gelten die Fächer leider oft als trocken und unattraktiv. Das ist übrigens auch ein Grund dafür, dass sich Mädchen häufig gegen einen Beruf in diesem Gebiet entscheiden. Sie finden diese Jobs ungeeignet, weil sie vermeintlich zu theoretisch sind, zu wenig mit Menschen zu tun haben. Wir arbeiten mit der Stiftung daher auch daran, dass sich das Image der MINT-Fächer verändert. Deswegen fördern wir auch ganz besonders Lehrer, die in die Lage versetzt werden sollen, Unterricht in diesen Fächern ansprechend und interessant zu gestalten.

Wie funktioniert das mit der Stiftung, dem Geld und der Förderung genau?

Servaty: Die Stiftung ist im juristischen Sinne eigenständig, also unabhängig von der Stifterin, der Deutschen Telekom. Das Ganze funktioniert so: Die Deutsche Telekom hat die Stiftung gegründet und mit einem Kapital von 150 Millionen Euro ausgestattet. Wir haben dieses Geld angelegt und arbeiten mit den Erträgen aus diesem Stiftungsvermögen. Das Jahresbudget liegt im Moment bei etwa elf Millionen Euro. Davon finanzieren wir alle unsere Projekte, aber natürlich auch die Verwaltung und die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung.

Wonach wählen Sie aus, wer unterstützt wird? Bewirbt man sich bei Ihnen um eine Förderung?

Servaty: Da wir eine operativ arbeitende Stiftung sind, schreiben wir unsere Projekte aus, auf die sich zum Beispiel Schulen oder Hochschulen bewerben können. Bei fördernden Stiftungen ist das anders: Hier kann man Anträge auf eine Förderung stellen.  Außerdem vergeben wir Stipendien an Schüler und Studenten. Für alle Projekte bzw. Stipendienprogramme gilt: Sie müssen zu unserer Zielsetzung, der Förderung von MINT-Bildung, passen.

Was haben sie erreicht oder was können sie erreichen?

Servaty: Eine schwierige Frage, denn die Wirkung einer Bildungsstiftung ist schwer zu messen. Knapp 13 Jahre nach Gründung der Telekom-Stiftung lässt sich aber mit Sicherheit sagen, dass wir zur Stärkung der MINT-Bildung in Deutschland beigetragen haben. Zum Beispiel ist die Zahl von Studierenden und Ausbildungs-Absolventen der Naturwissenschaften  in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Es interessieren sich auch mehr Frauen für diese Fächer – das ist sicherlich auch der Telekom-Stiftung und ihrem Engagement zu verdanken.

Vielen Dank, Frau Servaty!


Paulina, 26, ist Studentin für
Literaturwissenschaften und
Geschichte. Sie ist Werkstudentin
bei einer Verlagsagentur.